
Rituale bestimmen und strukturieren unser Leben. Familienrituale wie das gemeinsame Abendessen oder ein schlichter Gute-Nacht-Kuss vor dem Schlafengehen geben Halt und bieten entspannte Gelegenheiten für den Austausch von Kindern und Eltern. Täglich absolvieren wir – bewusst oder unbewusst – sehr viele dieser Rituale. Wenn du sie dir selbst aussuchst, kannst du Rituale im Alltag leicht und unkompliziert als kleine Auszeiten einbauen. Wir erklären dir, wie das am besten geht.
Warum sind Rituale im Alltag wichtig für uns?
Wer eine Familie hat, weiß, wie wichtig Rituale im Alltag sind. Familienrituale verbinden die Familienmitglieder miteinander und geben Halt und Sicherheit. Feste wie Geburtstage, Weihnachten, Hochzeiten oder Taufen laufen nach bestimmten Regeln ab, die jeder in der Familie kennt. Das gibt Kindern wie Erwachsenen Sicherheit, da der Ablauf vorhersehbar ist. Im Familienleben bilden sie sich fast automatisch, da alle Mitglieder ihren eigenen Tagesrhythmus haben und die Pläne von Kindern, Eltern und Verwandten aufeinander abgestimmt werden müssen. Es bleibt nicht so viel Zeit für Zweisamkeit zwischen den Eltern oder auch zwischen Kindern, ihren Müttern und Vätern.
Ein kleines Alltagsritual schenkt dir mehr Zeit mit deinen Freunden, deinem Partner oder mit deinem Kind. Aber auch kleine bewusste Handlungen ganz allein können dir Entspannung und Achtsamkeit für einige Minuten schenken. Rituale sind keine Gewohnheiten. Der Unterschied ist, dass Gewohnheiten wie Zähne putzen oder das Bett machen ganz nebenbei unbewusst erledigt werden, ohne dass du groß drauf achtgeben musst.
Was macht kleine, feine Rituale im Alltag aus?
Achtsamkeit ist bei einem Alltagsritual essenziell. Damit kannst du Sorgen, Ängste oder Anspannung für kurze Zeit abstreifen und wieder Kraft sammeln. Das gilt für das Familienleben wie auch für Freunde oder ein Ritual allein. Ein Ritual ist:
- zeitlich gebunden. Dadurch kannst du dich schon vorher auf die Handlung freuen und es gibt dir Struktur.
- vorher festgelegt. Du weißt genau, was du machen wirst und kannst dich darauf einstellen. Du musst dafür nichts können, leisten oder lernen. Das beruhigt und gibt deinen Gedanken Freiheit.
- mit bestimmten Rahmenbedingungen verbunden. Egal, ob du deine Yogastunde solo, gemeinsam mit den Kindern oder mit Freunden absolvierst, ob du deinen Gute-Nacht-Tee allein oder mit deinem Liebsten zu dir nimmst. Du weißt vorher, was du dafür brauchst und kannst dich darauf vorbereiten.
- angenehm und keinesfalls mit Leistung verbunden. Du schenkst dir dadurch selbst etwas Quality-Time, was deine Selbstliebe und Selbstachtung stärkt.
Kleine Rituale fordern uns nicht besonders, aber sie können uns viel Kraft geben. Sie stellen unsere eigenen Bedürfnisse ganz bescheiden in den Vordergrund und wir können diese auch schnell erfüllen. Dafür braucht es aber etwas Gewöhnung. Wir sind meist gut darin, auf die Bedürfnisse und Ansprüche von anderen einzugehen. Bei uns selbst vergessen wir das aber gerne. Das gilt nicht nur für Eltern, sondern auch für Singles.
Blumen, Bewegung und Body-Care: Welche Rituale im Alltag gibt es?
Egal, ob du dein Ritual in deiner privaten Umgebung, im Büro oder außer Haus einführen möchtest: Überlege dir vorher, was deine Bedürfnisse sind und was du gerne in deinem Leben verbessern möchtest! Überlege dir, wann und wo du dich besonders angespannt fühlst und wann du eine kleine Auszeit brauchen könntest!
Rituale für mehr Wohlbefinden:
Wenn du das Gefühl hast, unausgeglichen zu sein, können dir kleine Achtsamkeiten im Alltag Kraft und Energie spenden. Beispiele dafür sind:
- Trinke ein Glas Wasser nach dem Aufstehen! Das geht immer und überall, auch wenn du außer Haus schläfst.
- Nimm dir etwas Zeit nach dem Duschen und creme dich sorgfältig mit Öl oder Bodylotion ein! Die Massage der Haut tut dir gut und stimuliert den Ausschuss von Glücksgefühlen.
- Trinke genussvoll eine Tasse Tee nach der Arbeit oder vor dem Schlafengehen!
- Führe ein Tagebuch und schreibe täglich auf, wofür du heute dankbar gewesen bist!
- Gönne dir immer am gleichen Wochentag einen Strauß Blumen!
- Schalte dein Telefon eine bestimmte Zeit auf Flugmodus oder lasse es einfach in einem anderen Raum liegen!
- Lasse dir morgens etwas Zeit und trinke deinen Kaffee entspannt, ohne aufs Handy zu schauen!
Rituale für die Gesundheit
Gerade beim Sport spielt die Macht der Gewohnheit und Regelmäßigkeit eine besonders große Rolle.
- Gehe mit deiner Freundin oder einem Freund zum Yoga oder Fitness und gönne dir danach ein Getränk! Das stärkt deine sozialen Kontakte und macht es schwieriger, die Sportstunde zu schwänzen.
- Nimm die Treppen statt des Aufzuges!
- Fahre mit dem Fahrrad in die Arbeit, auch wenn es regnet! Es gibt Regenhosen und Regenjacken.
- Baue feste Pausen in deinen Alltag ein! Setze dich auf eine Bank in der Sonne oder gehe eine Runde um den Block spazieren!
Wie kann ich Rituale im Alltag erfolgreich einbauen?
Auch jenseits von Festen und Anlässen gibt es eine Vielzahl an Ritualen, die uns durch den Tag helfen. Wir trinken zum Beispiel morgens eine Tasse Kaffee, frühstücken am Sonntag lange und ausgiebig und lesen dazu die Zeitung. Es ist aber viel leichter, für dein Kind oder für deinen Partner eine Regel im Zusammenleben aufzustellen, als für dich selbst. Auch wenn es eine angenehme Regel ist. Suche dir daher für den Anfang ein Ritual aus, das du leicht umsetzen kannst! Es soll dir nicht besonders schwerfallen. Der Mensch liebt Gewohnheiten. Bis du eine Handlung als positive, angenehme Gewohnheit in dein Leben integriert hast, kann es etwas dauern.
- Fange mit einem Ritual an und nicht mit mehreren! Das hebt die Motivation.
- Schaue nach vorn! Hast du dein Ritual vergessen, hole es nicht nach! Es geht immer um das Jetzt und um das Heute.
- Bedanke dich bei dir selbst, wenn du dein neues Vorhaben durchgezogen hast!
- Tausche dich mit anderen Menschen aus, die sich ebenfalls Alltagsrituale fix ins Leben integriert haben!
Im Schnitt bracht es um die 60 Wiederholungen, damit etwas für uns eine Selbstverständlichkeit wird, auf die du nicht mehr verzichten möchtest.