
Haben Sie die Nachrichten der letzten Wochen und Monate, ja Jahre verfolgt? Und geht es Ihnen dann auch wie mir? Da steht der Artikel über die Brustamputation eines Stars direkt neben den neuesten Fußballergebnissen und unter der letzten Greueltat der Isisführer. Die Zerstörung der Weltkulturerbe haben den gleichen Stellenwert wie die Bambiverleihung und die Dopingnachrichten unserer Spitzensportler, die Wahlergebnisse von Extremparteien folgen den Berichten von Attentaten und Burkiniverboten.
Verlieren wir mit der Zeit unsere Würde?
Als Mensch bin ich, wie Sie, von meiner archaischen Grundausstattung ein soziales Wesen. Das bedeutet: Wenn wir einen anderen Menschen leiden sehen, wollen wir helfen. Das ist eine wichtige Eigenschaft, ohne die wir wahrscheinlich schon vor langer Zeit eine aussterbende Rasse gewesen wären. Aber ich glaube, jetzt ist es soweit! Als kulturell hochentwickelte Kultur haben wir es jetzt in die tiefsten Niederungen der emotionalen Entwicklung der Menschheit geschafft. Wenn wir nicht bald die Weichen der Entwicklung verstellen, bringen wir uns alle gegenseitig um.
Durch die rasante Entwicklung der Medien und der Netzwerke sind wir bei jeder Katastrophe hautnah dabei, können aber nicht aktiv werden und handeln, wie es uns von unserer menschlichen Grundausstattung entsprechen würde. Wir erheben uns bei schlimmen Bildern im Fernsehen nicht von unserem Fernsehsessel und eilen zur Hilfe, sondern schalten ins nächste Programm, in der Hoffnung, schönere Bilder zu erwischen. Wir lassen uns von den Bildern und drastischen Themen nicht mehr berühren, denn dann würden wir vermutlich nur noch vor Trauer und Schmerz weinen. Mit jedem der Bilder und mit all den schrecklichen Nachrichten verlieren wir Schritt für Schritt ein wenig von unserer menschlichen Würde.
Manchmal gibt es die Möglichkeit, sich mit Geld aus dieser misslichen Situation vermeintlich freizukaufen, was die Fernsehsender besonders in der Vorweihnachtszeit gerne nutzen. Wir dürfen als reiche Kultur des Westens unser Gewissen mit Geld beruhigen. Wenn wir schon nicht aktiv werden können, so können wir doch wenigstens, wie früher in der Kirche, unsere gefühlten Sünden abzahlen und kommen dann vielleicht doch noch in den Himmel...?
Sollen wir wegschauen oder aktiv werden?
Dieser Umgang mit uns selbst und den wichtigsten Aspekten, die wir im Leben als Orientierung haben, unseren Gefühlen, ist für mich aus energetischer Sicht fatal. Es gibt Menschen, die mir darauf antworten, sie schauen schon lange kein Fernsehen mehr. Das ist allerdings nicht die Lösung! Ich stehle mich damit aus der Verantwortung, zu der Entwicklung der menschlichen Rasse beizutragen und bin persönlich nicht mehr angesprochen und gefordert. Ich verliere auch die Chance, einen Ausweg zu finden, denn durch bloßes Wegschauen verändern wir nicht unsere aktuelle Realität.
Wichtig ist, die größeren energetischen Zusammenhänge zu erkennen und daraus Lösungswege zu finden, um vielleicht uns Menschen als komplexe spirituelle Wesen mit entsprechenden Bedürfnissen aus dieser Sackgasse, in der wir uns befinden, herauszuführen. Immer wieder spielt für mich hier der Begriff der Würde eine große Rolle.
Würde ist hier nicht theoretisch philosophisch gemeint. Bereits in unserem Grundgesetz steht ja als erster Satz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“! Ich finde diesen Satz wundervoll und er beruhigt mich immer wieder aufs Neue. Dennoch ist es nicht die „Würde“ die in meiner Arbeit gemeint ist. In der energetischen Arbeit geht es um die praktische und fühlbare Würde des einzelnen Menschen. Sie ist wie ein Hoheitsraum im Herzen eines jeden von uns und ist eng mit den Begriffen Liebe und Achtung verbunden.
Wie merken wir, dass wir unsere Würde verlieren?
Ich möchte Ihnen gerne noch Symptome des „Würdeverlustes“ beschreiben.
Würdeverlust ist, wenn wir die Grenzen einer Person überschreiten, in Haltung, Wort und Tat.
- Ist Ihnen bekannt, dass ein Mensch, der selbst keine Liebe erfahren durfte, nicht in der Lage ist, zu lieben?
- Wussten Sie, dass man an seine eigenen Kinder immer das an Erziehung weitergibt, was man selbst erfahren hat, auch wenn der Verstand und der Intellekt das eigene Verhalten nicht für sinnvoll erachten?
- Haben Sie das im eigenen Leben schon einmal festgestellt und wie haben Sie sich dabei gefühlt?
Die Entwicklung der Gefühle und die Macht des Verstandes
Unser vermeintlich körperlich bestimmtes Leben ist weit mehr, als unser intellektueller Verstand erfassen kann. Zum größten Teil besteht unser Leben aus Gefühlen und emotionaler Intelligenz, deren Stellenwert wir in der wissenschaftlich geprägten Welt unterschätzen. Wir versuchen, das Leben in eine normierte und berechenbare Form zu bringen, scheitern aber am Leben und seiner Lebendigkeit selbst.
In der energetischen Arbeit sind die Gefühle des Menschen wichtigstes Gut, erst an zweiter Stelle kommt unser Verstand ins Spiel, der die Gefühle sortiert und einordnet. Diese Tatsache beruht auf der von mir beobachteten energetischen Entwicklung als Mensch.
Wenn wir das Licht der Welt erblicken, wird unser Leben zunächst ganz von unseren Gefühlen dominiert. Wir fühlen die anderen Menschen um uns herum: die freundliche Mama, die uns anlächelt, wenn sie uns anschaut oder unsere Geschwister oder den Papa, die in unserer Nähe behutsam sprechen und uns streicheln. Wir fühlen unseren eigenen Körper und seine lebenswichtigen Grundbedürfnisse. Hunger, Durst, Einsamkeit, Bauchweh, die volle Windel und Unruhe oder Aggression in unserer Umgebung. Erst im Laufe unserer frühkindlichen Entwicklung finden wir für unsere Gefühle einzelne Worte, lernen diese mit der Zeit in Zusammenhang zu setzen, zunächst zu kleinen, dann immer komplexeren ganzen Sätzen. Wir können uns mit unserer Umgebung frühestens ab dem zweiten Lebensjahr durch eine sinnvolle Sprache austauschen. Größere Zusammenhänge des Lebens zu erfassen, zu denken und dann auszusprechen, lernen wir im Laufe der ersten Lebensjahre und dann in Kindergarten und in der Schule, bis hin zum Erwachsenenalter. Jedoch immer sind und bleiben die Gefühle die Grundlage unseres Lebens, auf denen die Gedanken für die Wahrnehmung der Welt sich entwickeln können. Auch wenn wir später glauben, unsere Gedanken seien zuerst da, weil wir sie wichtiger nehmen als die Gefühle, liegt dies einzig und alleine daran, dass sie sich vordrängeln.
Wir wünschen uns, dass der Intellekt die Regie über das Leben haben möge, weil wir ihn kontrollieren und manipulieren können. Aber so ist es nicht, die wahre Herrschaft haben unsere bewussten und unbewussten Gefühle.
Wie werden Gefühle in der Heilenergetik betrachtet?
In der Heilenergetik unterscheiden wir die Gefühle in solche, die, ohne dass wir es bewusst wahrnehmen, die Bedürfnisse des Körpers regeln. Wir haben Hunger, Durst, sind müde, es ist uns zu warm oder zu kalt und all das klärt der Körper, ohne uns im Tagesbewusstsein zu sehr zu belästigen. Er holt sich ein Glas Wasser, schmiert sich ein Brot oder will einen Salat und macht gerne am Mittag mal ein Päuschen. Wir erledigen diese Bedürfnisse, ohne zu bedenken, wer hier das Sagen hat. Diese Gefühle werden heilenergetisch als das Unbewusste bezeichnet.
Gefühle, die wir bewusster wahrnehmen, gehören in die Sparte des Unterbewusstseins.
Dieses sind Gefühle, die wir durch Erziehung und Nachahmung in unserem Lebensfeld speichern und ihre Zahl ist endlos. Ob gut oder schlecht, sie helfen uns, uns durch das wilde Meer des Lebens zu manövrieren und sind Wegweiser und Warnschilder zugleich. Aber nicht nur dies, sie dienen in wichtigen Erkenntnisprozessen unserer persönlichen Entwicklung. Denn nur durch unsere Gefühle haben wir die Fähigkeit, die Welt zu erleben, und die gemachten Erfahrungen zu verarbeiten.
Unser persönlicher Erlebnisfilter und unser übliches Verarbeitungsschema der Eindrücke um uns herum beruht auf dem individuellen Resonanzprinzip. Es gibt keine objektive Welt. Jeder von uns hat eine eigene Welt an Wahrnehmungen und Bewertungen, aber auch an Möglichkeiten, das Erfahrene für sich zu nutzen. Sehen wir in der Welt oder im Fernsehen eine schlimme, berührende Szene, gehen wir in Resonanz, das bedeutet, wir spüren in uns selbst den Schmerz, die Verletzung, die Trauer, die Wut. Einfach weil wir dieses Gefühl aus unserem eigenen Leben schon kennen. In unserem Energiekörper haben wir im Laufe des Lebens alle Gefühle auf unsere ganz individuelle Art gespeichert. Auf der Grundlage dieses Speichers wird die Welt zu unserem subjektiven Abenteuerspielplatz.
Fazit
Was hat all das mit der Würde des Menschen zu tun? Eine ganze Menge! All diese Verletzungen, die wir tief in unserem Herzen lebenslang mit uns tragen, halten uns davon ab, Würde zu fühlen. Erst wenn uns das bewusst wird, haben wir die Chance, Missstände zu beheben. Denn jeder von uns sollte erst den Schmerz in sich selbst kennen und heilen lernen, um dann aus dem eigenen würdevollen Verhalten der Welt etwas Gutes zu tun! Vorbild zu sein, aus sich heraus achtsam und liebevoll handeln. Denn darin besteht die Gelegenheit, die Welt auf ein neues Gleis der Entwicklung zu setzen.