
Wenn Männer an einer Erkältung leiden, kann es es durchaus sein, dass sie die Krankheit intensiver und schmerzvoller erleben als Frauen. Der Grund für die häufigere und heftigere Erkrankung von Männern an Infektionskrankheiten wie Grippe oder Schnupfen liegt an den Hormonen, den Genen, aber auch am Lebensstil. Das männliche Immunsystem kann mit Krankheitserregern einfach schlechter umgehen. Ist am Männerschnupfen also wirklich was dran und ist es nicht völlig legitim, wehleidig zu sein, wenn man krank ist?
Woher kommt das Märchen vom Männerschnupfen?
Männer werden oft belächelt und als Weichlinge abgestempelt, wenn sie an einer Erkältung oder Grippe leiden und zuhause bleiben müssen. Comedians und die Werbung werden nicht müde, das Klischee vom harten Kerl, der durch einen harmlosen Schnupfen zum Kleinkind wird, immer wieder zu bedienen. Ein Indianer kennt eben keinen Schmerz. Männerschnupfen oder Männergrippe werden gerne mit gelebter Hypochondrie verbunden. Tatsächlich ist es aber so, dass Männer öfter und auch stärker an einem Infekt erkranken als Frauen.
Männer erkranken:
- europaweit 1,3 mal so oft an einer Grippe
- weltweit 3 mal so häufig an Tuberkulose
Gründe dafür könnten die unterschiedlichen Wirkungen des männlichen Geschlechtshormons Testosteron und seiner weiblichen Entsprechung Östrogen sein.
Der kleine Unterschied: Hormone beeinflussen das Immunsystem
Die Innsbrucker Immunologin Beatrix Grubeck-Loebenstein ist nicht die einzige Forscherin, die sich damit beschäftigt, warum Frauen und Männer unterschiedlich krank werden. Mehrere europäische Forscher sind in ihren Studien zu ähnlichen Ergebnissen gekommen: Östrogen schützt vor Infekten, wohingegen Testosteron den Aufbau der Antikörper eher hemmt. Lagern sich Östrogene an Immunzellen, die Antikörper bilden (B-Zellen) an, werden diese dadurch aktiver. Auch Frauen nach den Wechseljahren, leiden häufiger an Grippe und anderen Infektionskrankheiten.
Der X-Faktor: Männergrippe als genetische Veranlagung?
Nun sind aber schon kleine Buben öfter erkältet als gleichaltrige Mädchen und das in einem Lebensabschnitt, in dem vergleichsweise wenig Testosteron im Organismus produziert wird. Auch dafür gibt es eine Erklärung, wenn auch eine sehr komplizierte: Männer haben ein X- und ein Y-Chromosom, Frauen zwei X-Chromosome. Obwohl das zweite inaktiv ist, stellt es doch eine Art Back-up für die rund 1000 Gene am aktiven X-Chromosom dar. Dabei handelt es sich um Gene, die die Immunabwehr direkt oder indirekt beeinflussen können. Auch sind ungefähr 15 Prozent des zweiten Chromosoms trotzdem aktiv. Männern fehlt diese doppelt aufgestellte Immunabwehr-Verstärkung und sie werden schon als kleine Kinder öfter krank.
Männergrippe: Sind Männer wehleidiger als Frauen?
Frauen wird gerne nachgesagt, dass sie Schmerzen leichter ertragen könnten als Männer. Als Begründung für diese Legende wird der Geburtsschmerz herangezogen, den das "starke Geschlecht" nicht ertragen könne. Studien haben aber ergeben, dass Frauen die gleichen Schmerzreize schneller und intensiver spüren. Schon physiologisch macht das Sinn: Männerhaut ist dicker und weniger sensibel als weibliche Haut. Auch macht Testosteron schmerzunempfindlicher. Bei einer Geburt werden im weiblichen Gehirn Glückshormone (Endorphine) ausgeschüttet, die es Frauen einfacher machen, den Geburtsschmerz zu ertragen. Auch ist der Fluchtreflex bei Frauen stärker ausgeprägt: Bei Schmerzen reagieren sie rascher und versuchen die Ursache eher zu umgehen, als ihre männlichen Artgenossen.
Männerschnupfen als Ergebnis von Erziehung?
Nach wie vor sterben Männer früher als Frauen und leiden vorher auch häufiger an Krankheiten. Das kann zu einem Großteil daran liegen, dass sich Frauen gesünder ernähren und auch sonst sorgfältiger mit ihren körperlichen und mentalen Ressourcen umgehen als Männer. Gesundheit und Schönheit gehen eben Hand in Hand und Frauen sind eben gerne schön. Auch hier spielen die Hormone wieder mit: Testosteron macht selbstbewusst und verleitet eher zu unüberlegten oder riskanten Handlungen, die in Unfällen enden können. Zum Glück findet hier soeben ein großer Paradigmenwechsel in der Gesellschaft statt: Schon der Playboy-Gründer Hugh Hefner konnte nichts mit scheinbar männlichen Hobbys wie Jagen oder Angeln anfangen und bugsierte den modernen Mann lieber in eine schick eingerichtete, warme Designerwohnung. Ein gesunder Lifestyle wird inzwischen nicht mehr mit Unmännlichkeit verbunden.