
Geht es um das Thema, mit oder ohne BH rumlaufen, gibt es die unterschiedlichsten Auffassungen. Während deutlich erkennbare Körperformen in konservativen Kreisen nach wie vor als No-Go gelten, ist es dank der Body-Positiv-Bewegung für die modebewusste Frau vielerorts kein Problem, ein kurzes Crop-Top ohne BH zu tragen – und das nicht nur im Sommer. Dabei stellt sich durchaus die Frage, warum Frauen überhaupt einen BH oder einen Sport-BH tragen sollten? Wann ist es okay, ohne BH aus dem Haus zu gehen und wann nicht? Wir haben uns diese Fragen näher angeschaut und widmen uns in diesem Artikel dem Thema ohne BH rumlaufen.
Fashion-Item oder funktionale Stütze: Ein kurzer Überblick zur Geschichte des BHs
Der Büstenhalter, besser bekannt unter seiner Abkürzung BH, ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Damenbekleidung. Die ersten Prototypen unseres BHs wurden Anfang des 20. Jahrhunderts von Frauen entwickelt.
Zu den Pionierinnen der Damenmode zählten unter anderem die französische Designerin Herminie Cadolle und die US-amerikanische Sozialreformerin Mary Phelps Jacob. Cadolle gilt als eine der ersten, die ein Modell entwickelte, das ähnlich einem modernen BH aussah, während Jacob 1914 ein Patent für einen frühen Büstenhalter erhielt, der lediglich aus zwei Taschentüchern und einer Schleife bestand. Ziel beider Frauen war es, eine Alternative zu schaffen, die es ermöglichte den Brüsten Halt zu geben, die Silhouette zu formen und gleichzeitig für genug Bewegungsfreiheit und Komfort zu sorgen.
Der BH ersetzte das damalige – recht unbequeme – It-Piece der Damen: das Korsett. Neben dem Bedürfnis, eine bequemere Alternative für mehr Halt für die Brüste zu finden, spielten natürlich auch Veränderungen in der Modewelt eine wichtige Rolle. Der Körper der Dame wurde immer weniger durch eng anliegende Kleider und wallende Röcke in Szene gesetzt, stattdessen wurden Hosenanzüge und lässig fallende Kleidung immer angesagter. Es gab also kaum noch einen Grund, Brust und Taille durch enge Korsetts zu betonen.
Natürlich war der Übergang vom Korsett zum BH nicht von einem auf den anderen Tag geschehen, ab den 1930er wollte jedoch kaum eine Frau mehr auf den modernen BH verzichten. Heute zählt der BH in all seinen Formen und Farben zur Standardgarderobe der meisten Frauen. Sei es als nützliche Stütze in Form eines Sport-BHs, als optischer Brustvergrößerer in Form eines Push-up oder als verführerisches Kleidungsstück aus edler Spitze. Der BH ist also sowohl Stütze, als auch Modeaccessoire.
Welchen Sinn haben Büstenhalten? Sollten wir öfter ohne BH rumlaufen?
Gerade im Sommer kann es super angenehm sein, keinen BH unter dem weiten Seidentop oder dem enganliegenden Body zu tragen. Auch unter einem rückenfreien Kleid sind viele BHs eher störend. Doch nicht nur im Sommer, sondern auch im Frühling, Herbst und Winter ist es oft einfach bequemer, ganz ohne BH rumzulaufen. Dank der Body-Positiv-Bewegung, die die Akzeptanz des eigenen Körpers fordert, ist es heutzutage in den meisten Bereichen auch überhaupt kein Problem mehr, ohne BH aus dem Haus zu gehen.
"No-Bra" oder "freeyournipples" lauten die Hashtags unter deren Motto Stars und Follower die Freiheit der Brüste feiern. Dieser Look ist durchaus alltagstauglich und insbesondere bei kleinen Brüsten leicht umzusetzen. Im Büro und beim Sport kann es aber ebenso wie bei großen Cup-Größen und in der Schwangerschaft auch sinnvoll sein, einen BH zum Stützen der Brüste zu tragen.
Die Aussage, dass ein BH "Hängebrüste" verhindert, ist vollkommen unsinnig. Dass das Bindegewebe an deinen Brüsten mit der Zeit an Elastizität verliert, ist eine natürliche Begebenheit, an der das Tragen oder nicht-Tragen eines BHs überhaupt nichts ändern wird. Es gibt zwar unterschiedliche wissenschaftliche Studien zu diesem Thema, aber leider ist keine davon wirklich repräsentativ. Entscheidend ist vielmehr, dass du so rumläufst, wie du dich am wohlsten fühlst und wie es im Rahmen deines Arbeitsumfeldes möglich ist.
Ohne BH zur Arbeit: Was ist erlaubt?
Leider gibt es keine allgemeingültige Aussage zu der Frage, ob du ohne BH zur Arbeit gehen kannst. Hier sind nicht nur deine persönlichen Vorlieben, sondern auch die Arbeitsumgebung und der jeweilige Dresscode entscheidend.
Jeder Arbeitgeber hat das Recht, eine bestimmte Kleiderordnung festzulegen, genauso wie in bestimmten Branchen eine gewisse Kleidung erwartet wird. Gerade, wenn du in einer Branche arbeitest, in der das professionelle und kundenorientierte Auftreten auf der Tagesordnung steht, kann das Tragen eines BHs als Teil der angemessenen Kleidungsvorschriften betrachtet werden. Es gibt zwar in der Regel keine BH-Pflicht, eine deutlich erkennbare Brustwarze kann aber als unangemessen betrachtet werden. Das ist zum Beispiel oft im professionellen Dienstleistungsbereich, bei Kundenservicejobs oder Bürojobs der Fall. Auch als Beamtin oder Lehrerin kann das Tragen eines BHs von dir erwartet werden.
Anders verhält es sich beispielsweise im kreativen Bereich, wo das Tragen oder Nicht-Tragen eines BHs im Büro weniger relevant sein kann. Wenn du dir nicht sicher bist, was in deinem Büro erlaubt ist, solltest du sicherheitshalber zuerst mit deinem Arbeitgeber Rücksprache halten.
Sport ohne BH: Worauf solltest du achten?
Gerade beim Sport kann ein gut sitzender Sport-BH für Entlastung sorgen und das Gewebe sowie den Rücken schonen. Denn während des Trainings werden deine Brüste häufig starken Bewegungen ausgesetzt, was zu Schmerzen und sogar Gewebeschäden führen kann. Ein guter Sport-BH bietet dir Halt, Kompression und Schutz.
Entscheidend ist allerdings wie bei jedem BH, dass der Sport-BH richtig sitzt. Andernfalls können Haltungsschäden und Probleme mit dem Rücken auftreten. Einen BH zu tragen, der nicht richtig sitzt, ist meistens schlimmer, als gar keinen BH zu tragen. Am besten nimmst du zum Kauf deines Sport-BHs eine professionelle Beratung in Anspruch, um die richtige Größe und Passform zu finden.
Ob du einen Sport-BH verwenden solltest oder nicht, hängt natürlich auch von der Sportart und von der Größe deiner Brust ab.
- Bei Sportarten mit hüpfenden oder springenden Bewegungen wie Joggen, Trailrunning, Crossfit, Tennis oder Ballsportarten ist die Verwendung eines Sport-BHs durchaus sinnvoll. Das gilt insbesondere dann, wenn du große Brüste hast oder deine Brustgröße aufgrund einer Schwangerschaft stark zugenommen hat. Bei A- oder B-Cups kann auch ein einfaches Sport-Bustier reichen.
- Für sanftere Sportarten wie Yoga oder Pilates, aber auch beim Radfahren kannst du problemlos auf Sport-BHs verzichten. Hier ist kein zusätzlicher Halt notwendig.