
Nach den Jahren der Kindheit bis zur ersten Monatsblutung und den anschließenden Jahren der Fruchtbarkeit bis zur letzten Blutung folgt nun die Lebensphase, in der wir uns zur weisen Frau wandeln können.
Vieles im Leben ist getan und abgeschlossen. Die Kinder sind erwachsen und haben das Haus verlassen. Der Körper verändert sich, unsere Werte wollen überprüft werden. Nun ist Zeit für Reflexion und neue Ausrichtung. Oftmals jedoch erweist sich der Übergang in diese neue, reiche Lebensphase als schwierig und emotional belastend.
Ernährung im Wechsel – Balance zwischen Yin und Yang aufrecht erhalten
In den Wechseljahren stehen Veränderungen an und auch in Sachen Ernährung tut vielen Frauen eine Änderung der Essgewohnheiten gut. Zusätzlich zu einer ganzheitlichen Sicht auf diese neue Lebensphase lassen sich Beschwerden wie etwa Hitzewallungen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen mit der richtigen Ernährung ausgleichen und harmonisieren.
Die Balance zwischen Yin (die weibliche, absteigend regenerierende Energie) und Yang (die männliche, aufsteigende Energie) gerät nach dem Wissen der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin) in den Wechseljahren mehr oder weniger in ein Ungleichgewicht. Unser Yin wird weniger und bietet dem Yang keinen ausreichenden Gegenpol mehr. Das Yang erhält so die Chance, aufzusteigen, was sich in Form von Hitzewallungen, Schlaflosigkeit und Gereiztheit ausdrücken kann.
Mit der richtigen Ernährung können wir gezielt unser Yin nähren, Bluthitze klären, das Yang besänftigen und Blut-Stagnation lösen. Gleichzeitig sollten wir stets auch an unsere Mitte denken und ausgewogen und regelmäßig essen.
Wählen Sie nicht zu oft Hitze fördernde Kochmethoden wie Grillen oder scharf anbraten! Bevorzugen Sie „yinige“ Nahrungsmittel und bereiten Sie sie kräftigend zu! Suppen, Eintöpfe, Tajinegerichte oder Ofengemüse bieten sich gut an. Kompotte werden vorzugsweise am Nachmittag, der Yin Zeit des Tages, genossen.
Auf welche Lebensmittel sollten Frauen in den Wechseljahren laut TCM verzichten?
Um die Ernährung für die Wechseljahre anzupassen ist es laut der Traditionellen Chinesischen Medizin sinnvoll, auf manches, vielleicht auch lieb gewordenes Nahrungsmittel zu verzichten oder es zumindest in kleineren Dosierungen zu sich zu nehmen.
- Scharfe und thermisch heiße Gewürze wie etwa Chili, Curry, Ingwer, Lauch, Knoblauch, Nelke, Pfeffer, Sternanis – wärmende Kräuter wie Basilikum, Oregano, Rosmarin und Thymian ändern im getrockneten Zustand ihre thermische Wirkung und werden heiß. Diese Kräuter werden besser frisch genossen.
- Hafer – das thermisch wärmste Getreide
- Kaffee, grüner und schwarzer Tee sind bitter und ausleitend und verletzen unser Yin.
- Rotwein, Sekt, Prosecco, scharfer Alkohol wie Grappa, Schnaps, Cognac usw. Alkohol wirkt generell anregend und unterstützt das Yang in seinem aufsteigenden Wesen.
Nahrung für unser Yin – kühlende Lebensmittel
Das sollte man wissen – erfrischende und leicht kühlende Nahrungsmittel nähren unser Yin. Die Geschmacksrichtung süß unterstützt unsere Mitte. Nahrungsmittel mit schwarzer Farbe werden dem Wasserelement zugeordnet und nähren insbesondere das Yin der Nieren:
- Getreide: Dinkel, Weizen, Roggen, Gerste, Hirse, Reis
- Samen, Nüsse: Schwarzer Sesam, Sesammus (Tahin), Mandeln, Mandelmus und Mandelmilch, Pinien, Cashew Nüsse
- Gemüse: Aubergine, Brokkoli, Champignons, Gurke, Mangold, Karotten, Karfiol, Kürbis, rote Rübe, Sellerie, Zucchini, schwarze Bohnen
- Obst: Apfel, Birne, Brombeere, Erdbeere, Granatapfel, Himbeere, Pflaume, Holunderbeere, Quitte, Ribisel, Stachelbeere.
- Milchprodukte: Kuhmilch, Butter – bei Nässeproblematik (Wassereinlagerungen im Gewebe) generell auf Milchprodukte verzichten!
- Fleisch: Kühlende und thermisch neutrale Sorten wie Hase, Gans, Ente, Rind, Kalb. Bitte achten Sie immer auf Qualität, Herkunft und Tierhaltung!
- Fisch: Austern, Sushi. Auch hier lohnt sich ein kritischer Blick. In unserer Welt der Überfülle ist doch manchmal Verzicht die beste Wahl und zum Wohle aller Lebewesen.
- Gewürze: Frische Gartenkräuter, Sojasoße, Tofu
- Getränke: Soja-, Mandel-, Reismilch
- Kräutertees
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Kräutertees für die Wechseljahre nach TCM
Mittlerweile gibt es eine riesige Palette ein Kräutertees.
- Frauenmantel: Frauenmanteltee ist adstringierend, leicht bitter und kalt. Er leitet Leber-Feuer und Blut-Hitze aus, wirkt Leber-Stagnation entgegen und tonisiert das Qi der Mitte.
- Johanniskraut: Johanniskrauttee ist bitter, kalt und die Stimmung aufhellend. Er beruhigt den Geist, nährt das Herz und Nieren Yin. Eine mögliche Nebenwirkung ist Lichtempfindlichkeit.
- Lavendelblüten: Tee aus Lavendelblüten schmeckt leicht bitter, scharf und wirkt kühlend. Ebenso soll er Hitze und Qi-Stagnation entgegenwirken und als Yang Seelentröster wirken.
- Melisse: Melissentee wirkt leicht adstringierend, bitter und kalt. Der Tee beruhigt Shen (Geist), wirkt dem Herz-Feuer und einer Leber-Stagnation entgegen und beruhigt aufsteigendes Leber-Yang.
- Rosenblüten: Rosenblütentee ist leicht adstringierend, süß und kühlend.
Er klärt Blut-Hitze, kühlt Herz-Feuer und beruhigt aufsteigendes Leber Yang. Tee aus Rosenblüter kann als Seelentröster gute Wirkung erzielen. - Salbei: Salbeitee wirkt adstringierend, scharf, bitter und kühlend. Salbei wirkt zudem schweißregulierend und soll eine östrogenartige Wirkung haben.
Halten Sie manchmal inne und werden Sie achtsam für Ihr Körperempfinden und die Wirkung der Nahrung! So kann sie Ihnen ein wunderbarer Begleiter durch die Wechseljahre sein.
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Autorin: Sigrid Koller